CZ – A (2007)

Am Sonntag den 26.08.2007 starten wir sehr erholungsbedürftig in unseren gemeinsamen Radelurlaub. Noch etwas müde von einem langen letzten Arbeitstag und einer Grill-Geburtstagsfeier bei Freunden packen wir am Sonntagvormittag die Radtaschen, satteln auf und treffen uns in Mölkau. Dort werden wir noch zum Mittag beköstigt und gegen 14h mit vielen lieben Wünschen verabschiedet.

Das vorherige Wiegen ergibt folgende Bilanz: 13-15kg wiegen unsere Räder, das Gepäck ca. 23kg, inklusive Wasser werden wir stets mit etwas 35-40kg unterwegs sein, kein leichter Brocken also…

Aber die Sonne lacht, wir schwitzen und lachen auch, es ist wunderbar warm und die Reiselust treibt uns an, fast als hätten wir die Kette vergessen. Munter rollern wir also nach Grimma, wechseln dort auf die andere Seite der Mulde, auf der Suche nach dem ausgewiesen Mulderadweg buckeln wir vor lauter Übermut Teile der dortigen MTB Strecke ab, passieren Leisnig, Klosterbuch (ein ganz besonders schöner Ort mitten im Tal und umgeben von ganz viel Wald - das ehemalige Kloster ist unbedingt einen Tagesausflug wert) und landen nach ersten 72km in Döbeln. Die erste Nacht ist wieder etwas ungewohnt, zudem schrecke ich nachts zweimal auf weil sich Männerstimmen unserer Feldeinsamkeit nähern… Aber es handelt sich um Jäger auf einer weniger lautlosen Pirsch.

27.08. Von Döbeln aus lauten die nächsten Ziele Meißen und Moritzburg. Noch ist wunderbares Sommersonnenwetter unser Begleiter durch das malerische Käbschütztal und bringt uns regelmäßig zum Schwitzen, es geht schon stetig hoch und runter.
In Moritzburg bestaunen wir das Jagdschloss August des Starken um uns anschließend Kaffee und Kuchen in Dresden zu besorgen. Bis dahin ist es nur noch ein kleines Stück, nachdem wir das historische Stadtpanorama passiert haben bleiben wir auf dem Elberadweg und beenden diesen Tag nach 90km oberhalb der Elbe bei Großsedlitz. Von dort aus haben wir einen fantastischen Blick auf Dresden, das Elbtal und den Lilienstein. Allerdings campieren wir anscheinend auf dem inoffiziellen Landeplatz von Heißluftballons, jedenfalls haben wir Gesellschaft beim Abendbrot….

28.08. Noch kurz besichtigen wir den berühmten Barockgarten in Großsedlitz, schwingen uns dann wieder auf die Räder und sind gegen 9h auf dem Elberadweg flussaufwärts unterwegs. Immer noch vertraute Orte: Pirna, Rathen, Königstein, Bad Schandau, wie oft war man hier schon zum Wandern, aber ab Hrensko und dem Grenzübergang geht der Urlaub so richtig los, Ahoj Ceska Republika! Über Decín und Ústí nad Labem geht's wieder hoch, wir wollen etwas abkürzen und verlassen die Elbe. Das Wildcampen klappt sehr gut, nach über 5h Fahrtzeit und 92km finden wir eine schöne Wiese, diese ist allerdings privat, aber wir sind willkommen, man will sogar wissen wie lange wir zu bleiben gedenken…

29.08. Sehr früh starten wir, es geht zuerst nach Litomerice, dann immer entlang der 216, in Melník bezwingen wir einen Zwanzigprozenter, zur Belohnung haben wir einen Ausblick auf die Verzweigung von Moldau und Elbe sowie die verlockende Aussicht auf Softeis. Und das schmeckte wirklich wie früher. Wir füllen noch unsere Provianttasche auf und pedalieren weiter Richtung Prag. Hinter Neratovice wieder Feldeinsamkeit für uns, die Temperaturen ziehen inzwischen ganz schön an, aber wir finden Feuerholz und zaubern ein kleines Lagerfeuer und genießen Rotwein und warme Füße bevor wir nach einer 70km Etappe in die Schlafsäcke krabbeln.

Am Donnerstag den 30.08. erreichen wir endlich Prag, nur 30km noch zu fahren und um 11h haben wir im Norden der Stadt im Bezirk Troja einen niedlichen privaten Campingplatz gefunden.
Wir packen aus, waschen ein bisschen und machen uns dann mit der Tram auf zum Karlsplatz. Von dort aus erkunden wir die Stadt soweit wir können zu Fuß: Wenzelsplatz, Prager Burg, Karlsbrücke, Rudolfinum, die alte Judenstadt und den Jüdischen Friedhof, die St. Veit Kathedrale, die gesamte Altstadt mit ihren wunderschönen verschlungenen Gässchen, staunen über Jugendstil und Barock, Bauhaus und Romanik.

Die ersten Knedlíky genießen wir in einer sehr urigen Kneipe, dazu ein Krusovice und staunen nicht schlecht über Tempo und Trinkfestigkeit der drei jungen Tschechen hinter uns. Wir beschließen uns den örtlichen Sitten anzupassen und besorgen uns kurzerhand ebenso eine kleine Flasche Becherovka und probieren… Sehr lecker, aber diszipliniert halten wir Maß, schließlich wollen wir am nächsten Tag früh weiter. Danke Prag, wir haben den Tag sehr genossen!

31.08. Entlang der Cyklistická terasa an der Vltava finden wir gut aus Prag und schon fallen auch die ersten Regentropfen. Doch nur kurz, das Wetter bleibt überwiegend schön, die Landschaft wird schnell wieder uneben, nach vielem langsamen Auf und schnellem Ab entlang der 106 sind wir nachmittags in Benešov, fahren noch ein Stück südlich und beenden diesen Tag nach 75km in einem lauschigen Jagdrevier. Allerdings scheint es überall mehr schiesswütige tschechische Jäger zu geben als Wild… Es erscheint uns jedenfalls mitunter sinnvoll, sich optisch und akustisch in betreffenden Gebieten bemerkbar zu machen um eventuelle Verwechselungen auszuschließen.

Der erste Tag im September ist ein Samstag. Wir registrieren dass dies wohl der offizielle Motorradtourentag ist, das Geknatter begleitet uns entlang der 112 über Vlašim, Pelhrimov bis zum Ende unsere Tagesetappe bei Horní Cerekev. Wir sehen die imposanten Maschinchen dann an den jeweiligen Verpflegungsstützpunkten wieder und die Easy Rider bei Schnitzel und Bier. Außer uns ist wohl auch niemand mit 0,0 Promille wie vorgeschrieben im Straßenverkehr unterwegs. Die Schnitzel passen übrigens kaum auf die Teller, vorsichtshalber wird also aus Stabilitätsgründen noch einmal ein ebenso großes obenauf gelegt. Über die Portionen kann man sich eigentlich nie beschweren und ich weiß ja was ich mit dem machen kann was nicht zu schaffen ist.
Bei einer Abfahrt brechen wir unseren bisherigen Geschwindigkeitsrekord: 62kmh, das treibt einem dann wirklich die Tränen in die Augen. Jedenfalls finden wir einen verlassenen Steinbruch an dessen Klippe wir das Zelt aufstellen und nach insgesamt 80km und einem heißen Süppchen zufrieden entschlummern.

02.09. Wir fahren Richtung Telc, dessen Altstadt zum Weltkulturerbe gehört und wirklich bezaubernd anzusehen ist. Eine landschaftlich besonders imposante Route bringt uns nach Moravské Budéjovice und nach Znojmo. Wir sind nun schon recht nah an der österreichischen Grenze, bleiben wenige Kilometer davor auf einem Feld-Waldstück, lauschen den allabendlichen Schüssen, trinken Becherovka und haben wieder mal die 100km nicht ganz knacken können, sondern sind bei 97 eingekehrt weil wir sonst wohl schon fast "drüben" wären.

03.09. Wir besuchen am frühen Morgen noch die Hrad in Jaroslavice und passieren kurz darauf den Grenzübergang in Laa an der Thaya: Hallo Österreich. Ja Grüß Gott meint Österreich, als herzliches Willkommen gibt es kräftigen Gegenwind und es wird empfindlich kalt. Auch die Leiser Berge und der Schwarzwald machen es uns nicht leichter, wir krauchen mit einem sensationellen 16,5er Schnitt über Korneuburg nach Stetten, 80km heute. Etwas oberhalb finden wir ein verlassenes Grundstück mit ungeerntetem Pflaumenbestand. Das holen wir nach und haben nicht nur Obdach sondern auch Vitamine für die nächsten zwei Tage.

04.09. Es ist Dienstagmorgen als wir zu den verbleibenden Kilometern nach Wien aufbrechen, nach einigem Suchen in der Stadt finden wir gegen Mittag am östlichen Rand Wiens einen großen Campingplatz und nachdem wir wieder etwas Ordnung in unsere Utensilien gebracht haben starten wir zu einer zweiten Erkundungstour. Die Radwege in der Stadt selbst sind an sich durchgängig vorhanden, doch etwas verwirrend sind die Ampelschaltungen und die abrupten Fahrtrichtungswechsel der Spur. Auf der ca. 20km langen Donauinsel lässt es sich besonders fantastisch fahren, herrlicher Asphalt und viele Brücken die nur für Fußgänger, Radler und Inliner reserviert sind.
An diesem Nachmittag verschaffen wir uns mit den Rädern noch einen groben Überblick über die Innenstadt, schauen uns das Hundertwasserhaus an und trinken Heiße Schokolade im Café Prückel, einem sehr wienerischen Kaffeehaus ganz im Stil der 60er Jahre. Die Sperrstunde erleben wir nicht mehr, die Kälte macht müde und so fahren wir gegen zehn am Prater vorbei zurück zum Zelt. Schließlich wollen wir auch den ganzen Mittwoch noch in Wien verbringen und Donnerstag abreisen. Pläne die wir noch ändern werden müssen, aber zuvor erkunden wir mit Rad und Fuß die gesamte Innenstadt in aller Ruhe.

Unter den vielen Kirchen entdecken wir auch die älteste Wiens aus dem 11. Jahrhundert (sie befindet sich paradoxerweise im Jüdischen Viertel), die malerischen Gassen sind durch verbundene Hinterhöfe vernetzt und mindestens ebenso prunkvoll wie die Fassaden, das Interieur der Uni versprüht den verlebten Charme der 70er Jahre, in den Schaufenstern bewundern wir die Kunst der Wiener Confiserien, zahlreiche Waffeln und Oblaten in allen Geschmacksrichtungen oder erdenklichen Formen.

Leider wird der morgendliche Nieselregen im Laufe des Tages zu einer stabilen Regenwand, so suchen wir wiederholt Obdach in einem Café oder vertrödeln uns die Zeit im Buchladen. Dort informieren wir uns auch über den Europaradwanderweg an der Donau, uns reizt die Fahrt entlang des Flusses nach Linz. Mit der festen Hoffnung dass der morgige Tag wieder "normales" Wetter bringt flüchten wir noch ins Uhrenmuseum, ein sehr lohnenswerter Besuch wer die kleinen und großen Preziosen der Feinmechanik schätzt und sich von teilweise Jahrhundertealter Technik in eine andere Zeit versetzen lassen will.

An Abreise ist am Donnerstag allerdings immer noch nicht zu denken, die ganze Nacht halten der Regen und der aufgekommene Sturm an und werden sich auch am Freitag noch hartnäckig fortsetzen. Etwas verzweifelt wollen wir aus der Not eine Tugend machen und besorgen uns eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Ans Pedalieren ist gar nicht zu denken, der Wind ist enorm und egal wo man sich befindet, nach zwei Minuten ist man klitschnass. Wir wollen in eines der Museen in der Hofburg, Carsten besucht die Rüstkammer und träumt von tapferen Ritterspielen, ich hingegen bin in der Königlichen Schatzkammer und lasse mich von den Juwelen und Edelmetallen blenden. Den Rest des Tages verbringen wir beim Zickzacklauf zwischen Markisen und Vordächern oder lassen uns mit Bus und Bahn durch die Stadt fahren. So versuchen wir so viel wie möglich von Wien zu entdecken ohne zu verschnupfen und kämpfen mit dem gelegentlich aufkommenden Unmut über die Wettersituation.

Am Freitag haben wir endgültig keine Lust mehr. Notgedrungen belegen wir mit einem großen Teil unseres Unterhaltungsequipments (2 Bücher, Zettel und Stift) eine der Küchen, rätseln, lesen, trinken Tee, schauen traurig nach draußen, langweilen uns. Als Highlight des (verkorksten) Tages kickern wir zwei Runden und besorgen beim Billa Glühwein und Schokolade.

08.09. Endlich erlaubt das Wetter unsere Abreise. Noch immer sehr kalt und stürmisch regnet es wenigsten nicht mehr und flussaufwärts reisen wir ab. Die Donau steht ziemlich hoch. Teile der Donauinsel, auf welcher wir stadtauswärts unterwegs sind, sind überflutet, ebenso auch der Radweg, welcher ab Langenzersdorf gesperrt ist. Also doch wieder Straße, aber wir halten uns gleich nordwestlich und rücken vom Ziel Linz ab. Zuviel Zeit ging uns verloren, lieber wollen wir wieder in die Tschechei. Entlang der idyllischen alten Weinstrasse Wagram verläuft unsere Route Richtung Zwettl, wir finden bei Gföhl ein traumhaft schönes Waldstück und wir beschließen dort zu campieren, weshalb wir wieder haarscharf an der hundert Kilometer Grenze vorbeischrammen.

09.09. Zum Essen am vorherigen Abend und zum Frühstück begleitet uns das Gebell von Rehen welche keine 100m von uns am Klee knabbern und uns gar nicht wahrnehmen. Mittags sind wir schon in Zwettl, laben uns dort an österreichischen Spezialitäten (Döner und Dürüm) und passieren wenig später die Grenze bei Pyhrabruck. Keine Grenzbeamten weit und breit zu sehen, bloß weit entfernt zu hören, naja dann eben keine Fotoschau und die Ausweise werden wieder verstaut. Hinter Nové Hrady beenden wir diesen Tag nach 83km in einem Eichenwald. Und wer mag Eichel besonders gerne, ach ja richtig, Wildschweine. Und die besuchen uns auch des Nachts, rascheln geräuschvoll heran, schnüffeln an allem und kommen uns so nah, dass unsere Nasen wortwörtlich nur noch die Zeltwand trennt. Doch keine Randale, sie verlieren das Interesse und zuckeln grunzend weiter.

10.09. Die letzte Woche bricht an, wir sind mittags bereits in Ceske Budejovice, und wollen nach einer kurzen Stadtbesichtigung zum Jagdschloß Hluboká nad Vlatava. Das Schloss dort oben ist wirklich märchenhaft romantisch und an diesem Tag fast Menschenleer. Inzwischen ist auch unser Becherovka ausgegangen und wir besorgen uns neuen und machen uns auf die Suche nach einem schönen Nachtlager am See. Schließlich ein abgeschiedenes Versteck auf einem kleinen Damm direkt am großen See bei Dubenec, insgesamt 65km heute, wir haben Rhythmus und sind so froh wieder unterwegs zu sein.

11.09. Dieser Dienstag wird uns wieder zum Regen bringen, wir passieren entlang der 22 Vodnany und Strakonice, wo wir in einer abgelegenen Stammkneipe sehr urig-original tschechisch essen und die durchziehenden Regenwände abwarten können. Der stete Gegenwind bringt riesige tiefschwarze Wolkenergüsse. Einigen von ihnen können wir nicht rechtzeitig ausweichen, zwischendurch reißt der Himmel malerisch schön auseinander, doch irgendwann platzt ein Geduldsfaden weshalb wir in Horaždovice uns für die erstbeste Möglichkeit der trockenen Bettstadt entscheiden. Wir haben nach nur 63 Tageskilometern Regenpech einmal Glück, die Penzion Houba bietet uns ein Dachzimmer mit sogar vier Betten und einer toll-heißen Dusche. Wir haben noch 720 CK, das Zimmer kostet inkl. Frühstück 300 CK pro Nase, da wollen wir den Rest (ca. 4€) in Form von Kaffee vertrinken. Das zugehörige Restaurace ist als solches im weiteren Sinn zu verstehen: eigentlich ist es eine Scheune mit verhangenen Fenstern, einem großen Kamin mit Feuer drin, einer urigen Theke, alten Holzmöbeln, jeder Menge Krims aus dem Stall und Steinfußboden. Wir holen uns einen Kaffee der heiß, stark und süß ist, Tote wieder lebendig macht. Bald stößt noch ein geschäfts-durchreisenden Stammgast aus Bayern zu uns, der Wirt macht uns bekannt, wir unterhalten uns in einer Mischung aus Tschechisch, Bayrisch, Deutsch und Englisch, was funktioniert.

Die Runde an dem Tisch wird stetig größer, es kommen drei lustige Bauarbeiter im Blaumann, der Besitzer und sein riesiger schwarzer Schäferhund sowie einige weitere Bekannte. Ruckzuck stehen Teller von Wurst, Wellfleisch und Gurken auf dem Tisch, eine Pilzspezialität ist von allen zu verköstigen und es gibt eine Runde Bier und Slivovitz für uns. Trieselig, zufrieden, satt, warm und trocken verabschieden wir uns zu später Stunde aus dieser sehr lustigen, gastfreundlichen Runde.

12.09. Beizeiten starten wir in nördlicher Richtung nach Nepomuk, besorgen uns dort wieder ein paar Kronen, bestaunen die wenige Kilometer westlich von uns beginnenden Berge des Böhmerwaldes und schaffen es zum Vesper nach Plzen. Wiederum versuchen wir uns einen kurzen Eindruck von der Stadt der Pilsner Braulegende zu verschaffen, Kaffeepause und Planbesprechung, dann verlassen wir die Stadt schon wieder und radeln erneut in die Berge bis Nekmír. Dort schlagen wir in der untergehenden Abendsonne am Waldrand nach diesmal 84 Tageskilometern unser Zelt auf.

13.09. Mittwoch: also ist es Bergfest, aber das ist es eigentlich jeden Tag in der Topographie der Tschechischen Republik. Diesmal sind es angekündigte 16% Steigung, aber man hat sich ja inzwischen sehr gut adaptiert, da brauch ich mit dem kleinen Gang keine Angst mehr zu haben kurz vor dem Gipfel stehen zu bleiben und rückwärts wieder runterzurollern. Jedenfalls fahren wir über Manetín und Žlutice entlang der 6 nach Karlovy Vary. Eine ewige Abfahrt macht uns bewusst wie lange wir auch irgendwie hochgegurkt sind, bei strahlendem Sonnenschein kommen wir gegen 16h im Kurort russischer Prägung an. Wir schlendern im angepassten Tempo der Ü70 Generation entlang der Thermen und Kurhotels, eines prächtiger als das andere und sehr viele Touristen. Einige Meter müssen wir aber noch raus und es wird spät, Beeilung also und wir vollenden den 83ten Kilometer nördlich von Karlsbad im Wald. Dies wird unsere letzte Nacht in der Tschechei sein.

14.09. Frisch stehen wir auf, ein verschlafener Blick auf das Thermometer sagt uns dass es hier oben 6°C sind, da baut man das Zelt umso zügiger ab. Da wir jetzt doch noch gut Zeit aber nicht mehr so viele Kilometer haben, schlenkern wir noch etwas durch das Tschechische Erzgebirge und entscheiden uns für den kleinen Grenzübergang in Johanngeorgenstadt. Die letzten Kilometer auf Tschechischen Strassen sind sehr ruhig, landschaftliche Idylle verabschiedet uns und ein letztes Mal Knedlíky im Wintersportort Horní Blatná. Die deutsche Seite des Erzgebirges erscheint konstant fallend, mit einem Affenzahn sind wir nach 55 Tageskilometern in Schwarzenberg. Dort melden wir uns sehr spontan bei einer Freundin meiner Mutter, die uns erst auf eine Cappuccino und dann noch zu Abendbrot, Übernachtung und Frühstück einlädt. Wir nehmen mit großer Freude an, Schwarzenberg überrascht uns mit seiner etwas versteckten aber sehr urigen Altstadt. Später lehren wir bei Sybille nicht nur den Kühlschrank sondern haben einen sehr unterhaltsamen Abend.

15.09. Am heutigen Samstag steht die finale und gleichzeitig längste Etappe an, mehr als 130 km und siebeneinhalb Stunden Fahrtzeit trennen uns von daheim. Zudem hatte unsere Straßenkarte bereits an der Landesgrenze ihr Ende gefunden, aber tapfer fragen wir uns durch über Aue, Glauchau, Altenburg und Borna nach Leipzig. Punkt 19h erreichen wir ziemlich happy und ausgelassen das Völkerschlachtdenkmal und machen eine Menge Fotos in albernen Posen.

Wir sind wieder sehr froh da zu sein, froh über ganz viel Glück und schöne Eindrücke auf dieser Reise. Diesmal konnten wir sogar gänzlich auf jeglichen Transfer verzichten, haben wieder jeden Meter der 1.400km selbst getreten, ohne Schaden an Mensch oder Material. Auch die etwas schwierigeren Momente der Demotivation in Wien haben wir irgendwie gemeistert, zusammen dem Wind, dem Wetter und den Steigungen getrotzt. Belohnt wurden wir dafür mit sagenhaften Ausblicken, Glücksmomenten beim geschmeidigen Rollern auf geradem Asphalt, Aufregung bei den schnellen Kurven bergab, vielen wilden Tieren, zig Stunden an der frischen Luft und dem zufriedenen Gefühl welches sich nach stunden- und tagelangem Aufenthalt in der freien Natur einstellt.

Dank tschechischem Land, Leuten und Luft war es wiederum ein wunderschöner Urlaub. Sollten wir uns etwa noch zu Experten auf ost-mitteleuropäischem Terrain mausern wollen?! Lust auf eine neue Expedition in diese Gefilde hätten wir schon, zu schön reist es sich dort umher…

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