POLEN (2006)

Der Neunzehnte war ein sonniger Samstag im August
schon lange infiziert hatte uns da die Reiselust.

Zwei rowery, viel Gepäck, Fernweh und zwei Fahrer dazu
verlassen wir Berlin unsere Familien und erreichen im Nu
noch am Sonntag die Seelower Höh'n,
im Rücken die Sonne und einen kräftige Föhn.

Nach Küstrin geht's erstmal Geld tauschen und dann gleich in den Zug,
PKP ist pünktlich und bequem, so vergeht bis Stettin die Zeit wie im Flug.
Seichte Hügel, durch Wälder und an Seen vorbei,
die vorpommersche Landschaft ist längst nicht einerlei,
gut schnarcht es sich jede Nacht an einem andern Gewässer
nur leider das Wetter, bleibt mal schlechter, mal besser.

Miastkow bis Lebork, die tollsten Alleen und landschaftlich viel zu erblicken,
haben wir doch bald Lust uns mal am offenen Wasser zu erfrischen.
Endlich - die Ostsee, meteorologisch empfängt sie uns recht kühl und stürmisch.
Und wo sind die Dünen von Leba? Vergeblich, da bleibt uns wohl nur der frische Fisch.

Optimistisch und gutgläubig probieren wir wo es sich open air kuschelt am Strand am besten,
Helska entlang wird Petrus mal wieder unsere Kleiderdichte im Dauerbetrieb testen.

Wir kommen nach Dreistadt, dem Fährmann sei Dank,
ruhig ist die See und keiner wird krank.
Irren wir zeitweilig durch Gdynia und Rumia, ohne Obdach doch durchfeuchtet in den Taschen,
dekadent im zwei Sterne Hotel, gibt's doch zum Frühstück wenigstens was zum Naschen.
Dann Soppot, weiß, sonnig und schick
der Zubr zum Essen gibt Verdauung und Stimmung den 'polnischen' Kick.

An der Westerplatte mehr oder weniger vorbei ist Danzig das nächste Highlight,
schmucke Gässchen, Kirchen und Bernstein so weit das Auge reicht.

Doch schon bald heißt es: Tschüss Ostsee! Oder auch: Czech, mare baltic,
eine kleine Prom mit letztem Seeblick, in Stegna kracht's und piekst's dann im Zelt ganz gewaltig.

Schön sind besonders die kleineren Städte wie Elblag und Olsztyn,
beim Zeltaufbau sind wir inzwischen längst das schnellste Team.
Die Wege der Masuren sind landschaftlich toll, aber nass, sandig und wirr,
beim Suchen klappern, Berg an Berg ab, strapazierte Ketten, Gebiss und Geschirr.

In Pluski gab's Luxus, fester Boden und weiches Bett seit Tagen,
der Wirt freut sich dafür über unsere kostenlosen Stripeinlagen.

Tags darauf verabschieden wir uns von den Masurischen Wäldern und Seen,
von Olsztynek wird unser Zug über Warschau in Richtung Krakau gehen.
Spät abends finden wir im Dunkeln bei Miechow noch ein kuscheliges Lager im Stroh,
so starten wir früh und sind mittags in Krakau und bei einer 49er Pizza am Mittag kulinarisch sehr froh.

Wir geniessen den ganzen Freitag im Trubel einer lebendigen Stadt,
haben privates Quartier, Wein und Spaß satt.
Wawel, Weichsel und Bartek haben alle ihren ganz eigenen Charme und Attraktivität,
aufgrund des Krakauer Nachtlebens wurde es an diesem Abend sehr spät.

Wieder rollend auf Asphalt treffen wir auf ein amerikanisches Radelteam,
wie wir wollen auch sie zur die Gedenkstädte Birkenau bei Oswiecim.

Von Frydek aus nehmen wir wieder die polnische Staatseisenbahn,
sehen kurz Kattowitz und zu unserem Glück ist das Wetter uns auch besser zugetan.
Das eigentliche Ziel Breslau, welches wir am nächsten Vormittag erlangen,
nimmt uns mit seinen historischen Märkten und Schachbrettdächern gefangen.

Apropos gefangen: mit der Orientierung haperts dann ortsauswärts,
ein radelnder Studentus Medicus aus Dresden fasst sich ein Herz,
geleitet uns routiniert und souverän durch wüsten polnischen Autoverkehr auf den richtigen Weg,
aus Westen kommt an den nächsten drei Tagen konstanter Wind so dass das Vorderrad oft rechtwinklig steht.

Zermürbende Fahrt, doch an einem Stausee finden wir ein tolles Lager und können uns richtig waschen,
Überwindung kostete der Gang ins kalte Wasser aber nur so konnte ich diesen Schnappschuss machen.

Tags darauf auf der Zamek von Bolkow ein lauschiges Plätzchen für ein Siesta bietet sich hier,
den Schlafplatz auf einer Wiese bei Dobkow versüßen wir uns mit Radlernahrung: Cola und Bier.
In Gryfow Slaski geniessen wir die letzte polnische Pizza, kaufen Tabak und Wodka,
machen uns so den Abend auf offenem Feld die Beine und den Kopf locker,

den Blick gerichtet auf die bewaldeten Hügel der nahen Tschechei,
wir sind auch nicht mehr weit von Deutschland und folglich ist Wehmut dabei.

Schon am nächsten Tag machen wir 12 Uhr Mittag in Zgorzelec eine Punktlandung,
tauschen letzte Sloty und schauen uns ausführlich in Görlitz um.

Kommunikativ schleifts hier am Flüsterbogen, doch schaffen wir's am Abend noch bis Baruth,
der Schnitt ist miserabel und meine Stimmung erst nach verdautem Abschiedsschmerz wieder gut.

Flugs geht's durch Sachsen, am nächsten Tag bis kurz vor Riesa,
am Abend bei Lagerfeuer und kokeligem Toast da lach ich auch wieder.

Oschatz, Wurzen, Mulde, Machern - wir sind fast zu hause,
eine letzte kleine Bäcker- und Cappuccinopause.

Dann die Einkehr in unserer Stadt, nicht fremd aber im ersten Moment etwas fern vom Gefühl,
langsam kommen wir an, stürzen uns erstmal mit Sack und Pack ins innerstädtische Gewühl.

Richtig da sind wir als uns in Mölkau die ganze Familie empfängt und drückt,
besonders von Carstens Bart sind alle entzückt.

Abends wird erzählt und schon mal Bilder gekuckt,
am Sonntag unsere treuen Drahtesel gelobt und geputzt.

Toll haben sie durchgehalten, weder Kettenschaden noch Platten,
alles komplett wieder mitgebracht was wir bei uns hatten.

Drei herrliche Wochen haben wir im östlichen Nachbarland verbracht,
viel gesehen, erlebt und einiges an Kilometern gemacht.

Großen Dank allen die uns in jeglicher Form unterstützten und so diese Reise zu der machten die sie war,
Besonders dir, Carsten, für mich hatte sich ja ein Traum erfüllt und ich würde noch mal.

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