D – A Alpen (2008)

6. September, Samstag:
Nach einem letzten Frühstück in unserer Wohnung beladen wir um 8 Uhr morgens unsere treuen Stahlrösser und starten in Richtung Süden, immer entlang der Isar durch Grünwald, Wolfratshausen, mit Radlerpause auf der Königsdorfer Alm bis Bad Tölz. Von dort ist es ein Katzensprung ins idyllische Lenggries, beschwingt biegen wir rechts ab und rollen durch die Jachenau, bei Einsiedel finden wir nach 113km ein wunderschönes Wald- und Wiesenquartier am Walchensee mit entsprechender Erfrischungsgelegenheit.

7. September, Sonntag:
Unser weiterer Weg führt uns nach Krün und Mittenwald, es ist schlagartig kühl und regnerisch und so schauen wir uns in dem traditionsreichen Geigenbauort um und trocknen mittags bei Kaffe und Kuchen. Kurz darauf passieren wir die deutsch-österreichische Grenze und pedalieren durch das an diesem Sonntag wetter-technisch unfreundliche Leutaschtal hinauf auf ca. 1500m. An den wilden Ufern der Leutscher Ache campieren wir, das Wettersteingebirge direkt im Rücken, den Blick auf die steilen Felsen des Mieminger Gebirges gerichtet.

8. September, Montag:
Noch etwas weiter oben passieren wir die Ehrwalder Alm (1750m), verlieren auf den nächsten geschätzten 45 Kurven 800 der hart erkämpften Höhenmeter und erhaschen vom hoch frequentierten Fernpass den Blick auf die Zugspitze. Der Traum aller Tourenradler ist der Radweg nach Imst, sanft hügeliges Gelände, feinster Asphalt, Hui- und Ohh-Rufe der Verzückung hört man von uns nach jeder Kurve. So kosten wir diese wunderschöne Landschaft bei inzwischen wieder herrlichstem Sommerwetter in einer ausgedehnten Mittagspause aus, bevor wir die letzten Kilometer bis nach Oetz auf uns nehmen.

9. September, Dienstag:
Unser Nachtlager unter einem eindrucksvollen Sternenfirmament nimmt ein frühes Ende, denn wir haben Großes vor, vielmehr ich. Mein erster Alpenpass steht mir bevor. Von Oetz aus schrauben wir uns entlang der Serpentinen hoch Richtung Kühtai (2020m), überholt oft von noch kilometerweit hörbaren Motorrädern und gelegentlich auch von einigen wenigen Rennradlern. Das einzige was wir noch überholen sind die vielen frei grasenden Haflinger und Kühe auf der Passstrasse nach oben. Nach gut zwei Stunden hat der 20km lange Spaß ein jähes Ende, die letzte Steigung mit 24% krönt den Tagesritt - geschafft. Soviel also zu der Frage ob ein mit 25kg voll bepacktes Reiserad mit einer 8-Gang Nabenschaltung auch an einem sehr langen Berg noch Spaß macht: bedingt, aber stolz auf jeden Fall. Gemäß der Maxime "sleep high - train low" verbringen wir die Nacht auf 2020m Höhe in einem festen Quartier und vergessen die Tagesstrapazen nach zwei großzügig bemessenen Jagertee.

10. September, Mittwoch:
Auf den nächsten 32km ist mehr Hand- als Beinarbeit vonnöten, bis nach Innsbruck geht es steil bergab, unsere rollende Schwungmasse bringt es auf bis zu 76km/h in den Abfahrten und nach 45min sind wir schon unten. Kurz schieben wir uns mit zahllosen anderen Touristen durch die malerischen Altstadtgässchen bevor wir wieder aufsatteln in Richtung Hall in Tirol, Wörgl und schließlich Söll. Diese Tagesetappe von 113km beenden wir an einem Berghang, vis-á-vis das Kaisergebirge.

11. September, Donnerstag:
Weiter Ostwärts geht es tendenziell an der B178 entlang über Ellmau, St. Johann in Tirol und Lofer, wir möchten ins Berchtesgadener Land. Entlang der Saalach geleitet uns ein idyllischer Radweg nach Bad Reichenhall, wir schauen in die altehrwürdige Saline und besichtigen den Kurort, wieder einmal korrigieren wir den Altersdurchschnitt der Touristen vor Ort. Mit lustigen Fröschen markierte Radwege (ein ikonographischer Bezug der sich uns bis heute nicht erschließt) leiten uns nach Teisendorf, Wimmern und Oberreuten. Dort heißen uns neben der herzlichen Gastfreundschaft der Hofbesitzer auch warmer Apfelkuchen, Saft sowie ein erquickendes Bad in der Regentonne willkommen.

12. September, Freitag:
Die Räder wollen wir heute links liegen lassen, unsere zwei Gastgeber offerieren uns die Option mit Ihnen auf den Toten Mann zu wandern. Und so erklimmen wir diesen Gipfel zu Fuß und genießen die Bergeinsamkeit sowie die fantastische Aussicht auf die Watzmannfamilie.

13. September, Freitag:
Erst eine Woche sind wir unterwegs, doch waren wir schneller und weitergekommen als eingangs gedacht und so planen wir erst einmal zum Chiemsee und nach Rosenheim fahren, versprechen wir uns doch einiges an landschaftlicher Attraktivität von diesen beiden Orten. Doch das Wetter will es anders, es ist kühl und regnerisch. So wird der Chiemsee bei dieser ungemütlichen Situation nur zu einem kurzen Zwischenstopp genutzt um Armlinge und Regenjacken aus den Packtaschen zu wühlen. Nachmittags erreichen wir Rosenheim, da wir aber keine Lust haben vor den Münchner Toren noch zu campieren treten wir noch einmal richtig in die Pedale. So erreichen wir durchgefroren und müde unser Heim im Münchner Norden kurz nach 20Uhr, der mit 145km längsten Etappe dieser Woche.

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